Systema
Russian Martial Art - Methode von V. Vasiliev und M. Ryabko
SYSTEMA
Lehre / Prinzipien
Systema

Die Schulung erfolgt auf der Grundlage der biomechanischen Lernmethodik, welche auf dem Prinzip des "Körperdenkens" basiert.

Die Eigenart des Menschen, eine Aufgabe unterschiedlich und auf ihm spezifische Art und Weise zu lösen, liegt der Systema Ausbildung zu Grunde. Die Ausbildungsmethodik basiert deshalb auf maximaler Offenheit für Informationen sowohl von innen (Angst, Wut usw.) wie auch von aussen (Angriff, Nacht, Waffe usw.), sowie auf dem Bewusstsein für die eigenen natürlichen und spontanen Bewegungen.

Das Verstehen - wie funktioniert mein Körper, wie kann ich ihn einsetzen, was passiert in einer Stresssituation (physiologisch und psychologisch), was bedeutet die Ökonomie der Bewegung und wie funktioniert all das zusammen in einer extremen Situation wie z.B. ein unerwarteter Angriff von einer oder mehreren Personen - führt zum Kern der Systema-Lehre.

Das Ziel ist es, mit minimalem Krafteinsatz die maximale Ausschöpfung der Körperdynamik zu erreichen, um sich dadurch effizient zu verteidigen.

Die vier wichtigsten Prinzipien sind: Atmung, Formhaltung, Entspanntheit und Bewegung. Aus einer Vielzahl der weiteren physischen wie psychologischen Prinzipien werden hier noch einige genannt:

listimage Kontinuität
listimage "Formengeheimhaltung" - keine, im Voraus erkennbare Formen
listimage Kreise, Spirale
listimage Wellenbewegung
listimage Ganzkörperangriff
listimage Positionswechsel / Flexibilität
listimage Bewegung um die Kraft / Kraftbruch
listimage Schmerzpunkte
listimage Pendelprinzip
listimage Unabhängige Bewegung
listimage Adäquate Kraft
listimage Frei von Aggression
listimage Ökonomie der Bewegung
listimage Wut und Angst gehören dazu
listimage Aufmerksamkeit und Ruhe

Weiter werden folgende Sensitivitätsniveaus unterschieden:

listimage Niveau der natürlichen Reaktion, welche durch Kontakt ausgelöst wird, wie z.B. durch einen Schlag
listimage Niveau der trainierten Reaktion (Angriff wird bemerkt und abgewehrt)
listimage Niveau der präventiven Reaktion (Erkennen des Angriffs z.B. durch Körperposition und Angriffsübernahme)
listimage Niveau des Erkennens der Absicht des Angriffs und die Reaktion/Handlung, um diese Absicht zu stören bzw. vom Angriff abzuhalten

Die Systema-Schulung schliesst neben der Erlangung physisch- mentaler Fähigkeiten die gesamte Persönlichkeitsentwicklung des Menschen als soziales, emotionales und gesellschaftliches Wesen ein.

Optimale Bewegung / minimaler Krafteinsatz
Der minimale Krafteinsatz bedeutet in Systema vor allem adäquater Einsatz aller Körpersysteme (Atmung, Skelett, Muskeln, Nerven usw.). In der Ausbildungsmethodik werden Erkenntnisse aus den Bereichen der Physik und Mechanik (Geschwindigkeit und Genauigkeit der Bewegung sowie Anspannungs- /Anstrengungskraft) benützt.

Die Auswirkung der Ökonomie der Bewegung im Nahkampf ist bedeutend und beinhaltet:

listimage Gleichzeitige Benützung beider Arme, sie soll symmetrisch und in entgegengesetzter Richtung möglich sein. Gleichzeitigkeit und Symmetrie ermöglichen das Gleichgewicht des Körpers, was die gesamte Aktion erleichtert
listimage Bewegungen sind einfach, fliessend und abgerundet
listimage Bewegungen gemäss anatomischer Körperstruktur, Ausführung im visuellem Bereich, Verbindung der einzelnen Elemente in einen Bewegungsfluss
listimage Bewegungen sind nicht nur einfach, sondern auch rhythmisch, weder zu langsam noch zu schnell, dabei haben auch unrhythmische Bewegungen einen Rhythmus
listimage Bedingungen, unter welchen für kleine Anstrengungen kleinere Muskelgruppen benützt werden, analog für grössere Anstrengungen grössere Muskelgruppen
listimage Benützung der kinetischen Energie des Angreifenden für die maximale Reduktion der Muskelarbeit

Übungsformen / Techniken
Die "Verteidigungstechniken" werden nicht im Voraus bestimmt und eingeübt, die verbindenden Prinzipien formen die "Technik" gemäss der jeweiligen Situation.

Im Systema wird oftmals vom Fehlen der Techniken gesprochen - es gibt keine Techniken! Rein äusserlich gesehen, können einzelne Formen als Techniken von Kampfkunst erfahrenen Menschen erkannt werden.

Der grosse Unterschied zu den traditionellen asiatischen Kampfkunstformen besteht jedoch darin, dass sie weder als endgültige Formen im Voraus gegeben werden, noch wird Wiederholung angestrebt, um sie dadurch zu automatisieren. Vielmehr wird gelehrt, mit dem Körper zu denken, indem biomechanische Prinzipien bewusst angewandt werden. Die entsprechende Trainingsmethode baut auf ganzheitlichen, natürlichen und spontanen Lösungen und Flexibilität auf, denn jede mögliche Konfliktsituation ist schliesslich einmalig und muss individuell gelöst werden.

Zu der Trainingsstruktur gehört z.B. das spielerische und langsame Üben. Untersuchungen haben gezeigt, dass das langsame Üben der einzige Weg ist, um das Unterbewusste langfristig zu programmieren und so erlangte Fähigkeiten (Beweglichkeit, Feinmotorik usw.) in Stresssituationen einsetzen zu können. Das langsame Üben baut das muskuläre Erinnerungsvermögen auf. So befreit von der Gehirnsteuerung setzt das "Körperdenken" ein. Nur daraus resultiert effektive Körperreaktion - Gedanken, Absichten, Emotionen haben dann darauf keinen störenden / hindernden Einfluss mehr. Das spielerische Üben lenkt die Absicht, Abwehrstrategien in voraus vorzubereiten, entgegen. Das ist eine wichtige Voraussetzung um situationsadäquat und effizient reagieren zu können.

Anatomische Gesetzmässigkeiten
Systema schliesst kein Kampfkonzept aus. Es gibt weder eine einfache Art des Kampfes noch ein wichtiges oder unwichtiges Konzept. Durch die Anwendung der biomechanischen Prinzipien und Gesetze werden Bewegungen schnell erfasst und fördern dadurch das Körpergedächtnis, welches eine individuelle, spontane und situative Verteidigung ermöglicht.

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